Moin, ich schätze die Zeitschrift SuS sehr und beziehe sie im Abonnement. Beim letzten "Gebrauchtkauf"-Artikel auf Seite 78 in der Ausgabe 1/2012 ist dem Autor jedoch etwas "die Fairness abhanden gekommen" (um das mal vorsichtig zu umschreiben). Dort wird der schon vorstehend erwähnte, an einem Straßenrand in Nürnberg abgestellte und "vergessene" China-Roller umfassend "geknipst" und dieses "Mängelexemplar" als Beispiel für einen China-Roller-Gebrauchtkauf genommen.
Vorab: Die Rubrik "Gebrauchtkauf" finde ich sehr informativ und lehrreich. Aber es sollte schon ein echter Gebrauchtkauf beschrieben und bewertet werden. Beste Beispiele sind die beiden "neuen" 150er von SuS-Redakteur Wagner, der gelbe Aprilia Leonardo und der blaue Hexagon. Das waren alles klasse Berichte über den Kauf, die Aufarbeitung und auch die Nachrüstung der beiden ebay-Käufe. Spitze, nur weiter so!!
Aber den Bericht über das "arme China-Dingen" (ein Roller war das irgendwann einmal) hätte man sich aus Fairness zum Hersteller oder zum Herstellerland China sparen sollen!! Das "Dingen" wurde anscheinend vor Monaten einmal geklaut, teilweise geschlachtet und dann am Straßenrand entsorgt. Der orange-farbene Aufkleber des Nürnberger Ordnungsamtes belegt die lange Standzeit am Zeitungskasten. Der aktuelle Pflegezustand des "Dingen" ist vor diesem Hintergrund nicht erklärungsbedürftig: Er tendiert zur Einstufung als Schrott!
Völlig unverständlich ist für mich, gerade dieses zweirädrige Schrott-"Dingen" in der Rubrik Gebrauchtkauf als typischen Vertreter eines China-Fuffis vorzustellen - Untertitel (Zitat): >> Made in China: Keine 1.000 km auf der Uhr und schon schrottreif << Und im Fazit heißt es: >> Abschreckend: Reif für den Schrott nach 1.000 km << Dazwischen wird im Text ausführlich der erbärmliche Zustand des "Dingen" beschrieben. Nun ja ...
Ich finde, einen solchen Beitrag hat die SuS nicht nötig, denn er bringt tausende "Baumarkt-Chinesen" in Verruf und weist in keinster Weise auf die tatsächlichen Schwachpunkte dieser Roller-Spezi hin. Denn wer sich einen China-Fuffi kauft, sollte wissen, worauf er sich einlässt, kann damit als geschickter "Zweiradschrauber" aber auch recht glücklich werden. (Das dazu nötige Werkstatt-Handbuch liefern die SuS-Redakteure im Eigenverlag!)
Übrigens, ich besitze selbst einen China-Fuffi, sogar einen Benzhou (siehe Anhang)! Warum? Trotz einiger Bedenken wollte ich den aktuellen Stand der China-Qualität mal in einem Selbstversuch testen, gleichzeitig aber auch ein sehr außergewöhnliches Modell ausprobieren. Daher ersteigerte ich im Frühjahr 2010 unter zoll-auktion.de vom Finanzamt Lippstadt einen der letzten Benzhou BiFuel 50, wohl aus dem Insolvenznachlass des ehemaligen Importeurs Jack Fox (?). Dieser Fuffi ist das einzige Zweirad mit EU-Zulassung für BiFuel-Betrieb mit Benzin und LPG/Autogas (!!). Die Karosserie entspricht dem alten Daelim Otello mit den ordentlichen Maßen eines 125ers. (Man beachte den Abstand der Knie zum Beinschild auf dem Foto im Anhang. Die junge Dame ist 1,85 m groß!) Eine 300 km lange Tagestour hier vom Niederrhein ins Ahrtal (Nordeifel) und am Rhein entlang (Rand des Siebengebirges) zurück schaffte der BiFuel ohne Tankstopp (Tankinhalt Benzin 6 L / LPG 4 L)!
Zur Qualität: Das Plastik der Verkleidungsteile ist recht spröde, es brechen bei Inspektionsarbeiten immer mal wieder Befestigungslaschen. Bei ca. 450 km war das vordere Radlager hin, bei ca. 2.500 km war ein neuer Zylinderkopf fällig, da die China-Zündkerze im Gewinde abbracht. Ein neuer Zylinderkopf kostete inklusive vormontierter Ventile nur 39,90 Euro und ich lernte beim notwendigen Austausch meinen Fuffi gleich noch besser kennen!Bei ca. 2.000 km hat meine Tochter den Fuffi in einem Kreisverkehr bei feuchtem Straßenbelag "auf die Seite gelegt", womit zwei neue Seitenverkleidungen notwendig wurden. Die China-Reifen sind halt mit Vorsicht zu genießen!! Ansonsten war nix großes.
Der Roller hält im Winter Winterschlaf. Es fallen immer mal wieder Kleinigkeiten auf, z.B. klemmt nach langer Standzeit mal der Gaszug oder der Bowdenzug der Sitzbank-Entriegelung. Aber mit einer Sprühdose WD-40 lässt sich mein Benzhou bislang problemlos am Laufen halten (Vmax ca. 55 km/h gemäß Tacho). Der Tachostand beträgt nun etwas mehr als 3.500 km.
Fazit: Klar, dass die Qualität(sanmutung) der meisten "Marken-Scooter" (obwohl diese oftmals auch in China gefertigt werden) besser ist als bei meinem China-Fuffi! Aber ich meine, dass man mit einem gewissen "persönlichen Einsatz" - gemeint ist ein etwas erhöhter Pflege- und Wartungsaufwand - auch mit einem China-Roller gut klarkommen, eventuell sogar recht glücklich werden kann. [Ich schreibe das nicht nur einfach dahin, sondern habe es ausprobiert!!]
Ein an anderer Stelle hier im Forum vorgeschlagener Langstreckentest eines typischen China-Rollers würde ich begrüßen. Damit die Testfahrten für die Tester nicht "allzu lausig" (weil langweilig) werden, könnte es ja ein 125er sein.In den Langzeitberichten zum chinesischen E-Scooter der SuS-Redaktion fehlen die erwarteten Horrormeldungen jedenfalls. Hier scheint ja alles okay zu sein!?
mopedfreund



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Bei ca. 2.000 km hat meine Tochter den Fuffi in einem Kreisverkehr bei feuchtem Straßenbelag "auf die Seite gelegt", womit zwei neue Seitenverkleidungen notwendig wurden. Die China-Reifen sind halt mit Vorsicht zu genießen!! Ansonsten war nix großes.



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